Kapverde is a republik, die auf einem archipel von 9 bewohnten und 6 unbewohnten inseln stationiert is, 650 kilometer von der senegalesa küsta entfernt. Der flughafen von Mindelo auf der insel São Vicente is übersichtlich, das gebäude is etwas gröszer als meine 2-zimmer-wohnung. Má verlangt den standardpreis für die taxifahrt in die stadt. Billiger als in Deutschland aba nich spottbillig. U-Bahn oder ICE haben die nich. Auf der suche nach a hotel fragt mich a hotelwirta, wieso ich als brasilianer zum mickrigen karnaval von Mindelo komm. Ähm, weil ich den von Rio schon kenn. Ich hab ihr lieber verschwiegen, dass ich gar nich wusste, dass wir faschingsdienstag haben, wer weiss, wär sie schockiert – brasilianer, und weiss nich wann karnaval is!

Wenn jemand “normales” Afrika erwartet hat, is er in Cab Verde vielleicht etwas überrascht. Má kommt fast überall hin auf asfalt oder kopfsteinpflaster, die städte sind relativ sauber. Nirgendwo versucht má dich zu bescheissen. Es gibt béssere und ärmlichere viertel, wobei auch die ärmlicheren viertel moderat arm sind. Cab Verde bewegt sich so zwischen unterer zweiten welt und oberer dritten welt, was weltweit gesehen unterdurchschnittlich is, aba für Afrika hohe mittelklasse. Die leute sind braun – hellbraun, mittelbraun, dunkelbraun. Immer a mixtur aus weiss und schwarz. Meistens freundlich, und selten aufdringlich.

Carnaval? Ich würde sagen: Rio is 200 mal gröszer als Mindelo, aba der carnaval von Mindelo is nur 10 mal kleiner, also kann má sagen dass der carnaval von Mindelo pro-kopf calculiert viel gewaltiger is.

Meine Shazza und ich (ich bin der Shazzo) fahren mit a taxi zum anderen ende der insel Sao Vicente und gehen über die cüsta na nordwesten und dann durch die berge zurück, so um die 20 km. Die strände sind a riesenfriedhof von angeschwemmten quallen und mineralwasserflaschen. Dás schöne is, dass má so alleine sein kann, man sieht stundenlang keine menschen. Links die cahlen berge, rechts dás mar, und sonst nix. Fern von Deutschland, trotzdem keine palmen.

Überall bläst der passatwind, in Cab Verde geht ihm die puszte nie aus. Die temperatur ende februar bewegt sich um die 20 grad, oft tagsüber etwas mehr, aba der wind is deutlich kälter, unter 20 grad. Nu is winter, trockenzeit, seit oktober hat es nich mehr geregnet. In der regenzeit, also august oder septembre, da soll es kübelweise schütten, und die vegetacion soll tatsächlich sehr grün sein – wahrscheinlich die zeit, zu der die portugisen die inseln entdeckten, weil sonst die bezeichung “Grüner Kap” nich sehr adequada wer.

Wir fahren nach Santo Antao mit da fere. Das is die gröszte insel und sie hat die höchsten berge. Da fährt má mit einem aluguer, a kleinbus als buschtaxi, bis hoch nach Espongeiros (schwamm-macher, könnte aber auch ‘schwamm-liebhaber sein) und geht den rest bis zur cüsta zurück – nur den knien macht es keinen spass. Die strada führt über den kamm eines gebirges, so is die landschaft in jeder richtung atemberaubend. Man bräuchte a câmera mit 360 grad-funccion und dazu 3D, um dise dimensionen zu fassen. Nach allen seiten berge in den diversesten formas, winkeln und grössen, einfach fantastisch. Templen de stein, cathedralen de felsen. Ich war immerhin in 123 ländern, und hab vile gebirge gesehen, dás wird mir aba sicher lang im gedächtnis erhalten bleiben. Die nördliche seite von Santo Antão is übrigens sehr grün, eine zimliche ausnahme auf dem archipel.

Tage später fahren wir wieder nach Santo Antão, mit aluguer bis Curral das Vacas und von dort zu fuss über a pfad entlang eines halbvertrockenen canyons hoch nach Alto Mira, meistens in a kessel, in jeder richtung von bergen umzingelt, durch landschaften von bizarren felsformacionen spazierend. Dás machen wir mit Jens, a jungen doctor aus Dresden und seiner 5-jährigen tochta, die alles mit bravura bewältigt, mehr bravur als ich jedenfalls. Für Shazza auch kein problema, sie könnte wahrscheinlich auch den Everest besteigen, wenn sie nur die zeit hätte – und nich von zweifeln geplagt were, dass sie nix kann. Curral das Vacas heisst Kuhstall, aba má sieht keine kühe. Schon wieder a grandiosa landschaft, uh, der wahnsinn. Reali super special, und dás alles für uns allein, oder fast, weil da sehr wenig menschen vorbei kommen. Ganz im gegensatz zu den Alpen, wo man sich wie in China fühlt, von der menschenmenge her.

Die inseln sind voller francesen. Ich schätze mal dass 80% der touris francesen sind, der rest besteht aus a par portugiesen, dazu einigen versprengten italianern und espaniern. Es gibt auch charter-flüge aus diversa francesasen städten directa nach Sao Vicente. Warum die francesen so massenweise daher kommen, kann me kein francês hier erklären. Nach Senegal kommen die gern, weil má dort francesis spricht, aber in Cabo Verde spricht má ja crioulo, a variacion vom portugiesisen, dás weder portugiesen noch brasilianer verstehen, geschweige denn a francês. Als portugês oder brasileiner wird má verstanden, má spricht ja so im TV, und der eine oder andere caboverdianer spricht mehr oder weniger portugiesis, dás in der prononcia zwischen portugiesis und brasilês klingt. Es gibt in Mindelo eine Alliance Française, da gibt es deutsch-curse – deutsch lernen im warmen, das is doch a guter tipp für ausländer in Deutschland. Und ebenfalls für fil deutsche. Ob má dort auch francesis lernen kann, weiss ich nich, der café is jedenfalls gut.

In der region gibt es nix mehr zu sehen, so fliegen wir zur insel Santiago, wo die capital Praia liegt. Feren faren auch, doch leider waiss keiner wann. ‘Praia’ – da haben es sich die portugesen wirklich leicht gemacht, sie waren offensichtlich zu müde, mal im kalender nachzuschauen, welcher heilige am tag der entdeckung sie mit dem namen einer insel oder landes beehren sollen, um sie dann São Paulo oder São Tomé zu nennen. Se haben die stadt einfach ‘Strand’ genannt, dabei sieht má weit und breit keinen strand, der den namen verdient.

Gute strände gibt es z.b. in Sal, im nordosten, aba momentan wer auch dort dás wasser zu kalt. Praia is 2 bis 3 mal gröszer als Mindelo, etwas gröszer als Regensburg, hat aber etwas weniger theater und museen, schätz ich mal. Hier gibt es übrigens viel mehr richtig schwarze leute, das is die afrikanischste stadt der republica. Wir fahren in den norden der insel, wo Tarrafal liegt. Da fehlt im hotel Baía Verde, direkt am strand, manchmal wasser, manchmal strom, manchmal beides – es kann auch immer wida vorkommen, dass es beides gleichzeitig gibt. A groszes problema: wenig wasser, wenige natüraliche resourcen – dafür schlagen sich die cabverdianer eigentlich ziemlich gut. Im diesem bungalow-hotel sieht má vile affen, und wenn du nich aufpasst, stibitzen se dir was von deinem frühstück. Da sag ich nur, einfach die Kalaschnikov vom zimmer holen.

Eines abends gehen wir zum gallicischen aussteiger, er soll gut kochen. Er spricht a gnadenloses portuñol. Hat dafür a 5-sprachige speise-carta. Die deutschen übersetzungen sind die besten, ich gebe hier die originalsprache espanisch und die deutsche übersetzung:

Salpicón de marisco – Spritzen des Schalentieres

Revuelto de verduras – Umgedreht von Grün

Arroz marinero – Seemännischer Reis

Pezcado a la gallega – Gefisch in der Galicierin (der galicio hat wirklich alles)

Agua con gas – Er verwässert mit Gas

Ah so ja: portuñol oder portunhol is a mixtur aus portugesis und espanis. Viel espanier sprechen noch 50 jahre nach der emigracion nach Brasilien so was, die wörter sind portugesis aba der accent is stark ver-errt, mit zungen-R, dás ganze mit groszer spannung und hoher geschwindigkeit – ma weiss ja, die spanier sind unter dem lärm der maschinengewehr geboren, deshalb sprechen sie so. A freunda, a verrückte venezolana, war noch nich lang in Brasilien, wollte aber unbedingt die pizza selber bestellen. Die gewählte pizza war ‘pizza de milho verde”, also pizza mit grünem mais. Se hat es aber espanis ausgesprochen: pissa de mijo verde. Dás heisst auf brasilês “schwanz mit grüner pisse”. Portuñol is natüralich auch der misslungene versuch von brasilianern, espanis zu sprechen. Der wortschatz is portugesis aba má versucht, es möglichst deutlich und espanis zu prononciaren, mit stark gerolltem zungen-R. Und aus jedem O macht man ein UE: portugesis ‘logo’ wird espanis ‘luego’, port. ‘fogo’ wird esp. ‘fuego’. Ergo sagt der brasilianer, wenn er das famose getränk in Argentina bestellt, selbstverständlich “Una Cueca-Cuela!” Entweder weil er es tatsächlich nich weiss, oder um den kellner zu verarschen. Machen die brasilianer gern, mit kellnern immer und in Argentina ganz besonders.

Ja, und dann zurück nach Praia. Die insel Fogo hätte má noch visitaren können, mit dem vulcan, soll zimlich beeindruckend sein, ja ja, aba Shazza muss zurück nach München fliegen und ich wexel von Afrika-Light zu Afrika-Leid. Schluss mit urlaub, schluss mit lustig. Adio amore! Se weint, ich weine nich – es könnte sich a fan am aerport befinden. Ausserdem hab ich schon vorher geweint.